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Mr Madeo Says

mrmadeo

Progression was a fanzine published in Berlin at the end of the 1990ies with  Felix Heiduk and Katrin Lindenmann being the two editors.  I remember seeing three issues being distributed by different labels and distros all over Europe. Of course, it was also largely available at shows of that time. 800 copies were made of the second issue, which featured interviews with Trial, Morning Again, Outlast and Serpico - all of them with well thought-out questions that set the zine apart from your standard interview question. I found the one with Serpico's John Lisa memorable as it was the first thing that came to my find when I found the zine im my "immense" (big laughter) fanzine archive a couple of days ago.

It was then Serpico's last tour and the band would eventually disband after the last European show at Cologne. John talks about his memories and why he is fed up with hardcore and that they wanted to end the band so they could "go out with style instead of making it pathetic" - in fact, he had said everything he wanted to do say in music and that he had had a great time with it.  Later in the interview he doubts that people with still talk about his band ten or more years later: "Unfortunately there's a lot (of) bands coming out after us that are doing the same thing we're doing and some of them do it a lot better than us." Well, dear John, we are in 2010 now and there is still people talking about you and your band....

The rest of the zine contains some short colums and essays plus records and fanzine reviews. You can read it in every line that these are not two 14years old writing for the first time making this zine a pleasure to read even 12 years later.

 

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man hielte für einen Augenblick inne und blicke in das Schaufenster der Zitadelle des Glücks

man stelle folgende Ungleichzeitigkeiten fest:

man sehe die unterschiedlichsten Lebensformen reduziert und kulminiert auf engstem Raum nebeneinander

man blicke durch ein beliebiges Augenpaar und sehe im jeweiligem anderen den größten gemeinsamen Unterschied

man sehe einen  anderen Habitus, eine andere Gestik

man höre eine andere Art sich auszudrücken und zu sprechen

man stelle fest an welcher Stelle ein anderer zu sprechen oder zu schweigen beginnt

man stelle  fest, dass die Unterschiede irgendwann einmal nicht mehr unterscheidbar wären und

man verbringe den Abend damit, sich an der dargebotenen Diversität mit offenem Mund zu laben doch

man verpasse  ein wichtiges Moment und den zentralen Aspekt des Abends:

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Während ich so darüber nachdenke und beim Fernsehen die neuesten Nachrichten wahrnehme, (ich schaue euronews und praktischerweise zeigen sie die Ereignisse der letzten Stunden ohne Worte, so als ob sie mir sagen wollten: „wir haben verstanden, wir wissen, dass die Lage der Welt schon schlimm genug ist, da braucht es nicht auch noch unserer drögen Kommentare), kritzle ich ein paar Binsenweisheiten auf eine Serviette. Das Schlimme ist, andere Leute sehen darin so etwas wie den Versuch, sich in einer Zeit, in der vermeintlich bereits alles gesagt worden ist, über unsere Sprachlosigkeit hinwegzusetzen. Sie sollten erstmal sehen,
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Ich habe Angst vor Veränderungen. Im Gegensatz zu dem, was alle Welt glauben will, bin ich kein Revolutionär. Ich gehe immer in denselben Supermarkt. Ich kaufe die gleichen Produkte, ich bezahle ohne zu murren was man von mir verlangt. Ich beschwere mich nicht, ich hadere nicht mit dem Schicksal. Ich gehe immer wieder die gleichen Straßen.

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In der Regel dusche ich nur kurz. Aus irgendeinem Grund haben mich meine wenigen Erfahrungen im Bereich des Zeltens tief geprägt. Man kann frisch und sauber sein ohne stundenlang Wasser den Abfluss runter laufen zu lassen.Ich nehme mir wesentlich mehr Zeit für die Rasur, und hier findet die Camping-Determinierung auch schon ihr jähes Ende, ganz davon abgesehen, dass mir das Schlafen in einem stickigen Zelt zuwider läuft.

Anfangs habe ich mir bei meiner Prozedur ordentlich Schnitte und Hautreizungen geholt, mittlerweile zelebriere ich meine Morgentoilette als quasi-mythische Vereinigung mit mir selbst. Ich liebe es, mit solch einem selbstzufriedenen und gereinigten Gefühl aus dem Haus zu gehen; es dauert eine ganze Weile, bis mir der Zivilisationsdreck dieses Gefühl aus dem Gesicht geweht hat.

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Letzter Abend hier in der Toskana bevor es morgen früh wieder nach Hause, d.h. erstmal München, geht. Sind heute in Grosseto gewesen und peinlicherweise habe ich Grosseto mit Volterra verwechselt, d.h. ich habe in meiner Erinnerung den geopraphischen Standort beider Städte vertauscht, sodass wir statt in einer mittelalterlichen Stadt auf nem Berg plötzlich an einer Küstenstadt mittlerer Attraktivität gelandet sind. Letzlich egal, weil es den Kids egal ist, uns auch, nur dem Busfahrer scheint das richtig zu beschäftigen. Und weil er ohne Navi total überfordert ist, muss er seinen Frust - wobei er ja genaugenommen ja nur zum fahren da ist- an dem einzigen der dieser „Scheißsprache" mächtig ist, auslassen.

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mrmadeo
Oh je, ich habe das Gefühl wieder ein kleines Kinds zu sein. Es ist ein gottverdammt langweiliger Tag; der Ruhetag bevor morgen der ganze Trubel von vorne wieder anfängt. Mir kann's Recht sein, in dieser öden Gegend, in der ich gelandet bin, hält mich nichts länger als nötig auf. War gestern zum ersten Mal mittags in aller Ruhe in meiner Wohnung, die Sonne schien, ich ließ die Rollläden hoch – die Wohnung wirkte plötzlich größer, lichtdurchflutet. Ich entdeckte den ganzen Staub auf den schwarzen Möbeln. Er war mir bislang, der sonst nur morgens, wenn er aufsteht und meist erst abends nach Arbeit und Besorgungen in der Stadt zurückkommt, noch gar nicht so richtig aufgefallen.
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mrmadeo

Wir haben uns von der Vorstellung einer großen Erzählung gelöst, wir haben Religionen verbraucht und Götter entmachtet; wir haben Menschen mit Wünschen, Hoffnungen und Träumen, Menschen mit Idealen der Lächerlichkeit preisgegeben. Wir haben die Lust zum Leiden verloren. Wir sind uns unseres eigenen Selbst bewusst. Wir akzeptieren keine höhere Macht. An unserer Seite gibt es kein miteinander. Aber trotz allem halten wir an der lächerlichen Unterscheidung zwischen Fiktion und Realität, zwischen Erlebtem und Erdachten, zwischen Sein und Nichtsein fest.

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mrmadeo
Heute morgen kommt mir aufgeregt ein Schüler entgegen. Er gehe streiken sagt er, nicht ohne bedeutungsschwangeren Unterton. Höflich erkundigt er sich bei mir, ob und wie man sich abmelden müsse, ob man eine Bescheinigung über die Abwesenheit ausgestellt bekäme und bis wann er denn wieder zurück sein müsse. Ich wundere mich nur noch, als er mich nicht fragt, ob ich ihm den Weg dorthin beschreiben oder dorthin begeleiten könne. Ich kläre ihn darüber auf, dass ein Streik eine Form der Verweigerung darstelle und er deswegen nicht von uns eine Absolution erhalten können selbst wenn wir die Inhalte unterstützen würden. "Man streikt mit allen Konsequenzen", sage ich und frage, ob er die Beweggründe des Streiks kenne. "Ja", und er finde es grundsätzlich richtig dagegen zu protestieren. Er sei dagegen, so gegen das Schulsystem halt grad'.
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